- Hintergrund -


Wer in ein, ich denke, das kann man so in etwa sagen, von ziemlich starken sogenannten normativen Konflikten gebrandmarktes Forschungsfeld geht und dazu noch ein relativ unerfahrener Student ist, für den ist es wahrscheinlich schon eher angebracht, erst einmal viele Fragen zu stellen, als zu versuchen, überambitionierte, aber halbgare Antworten zu geben. Und der sollte, wenn er überhaupt etwas sagen will, vielleicht besser in die Kunst ausweichen, als sich klug wissenschaftlich zu geben. In der Kunst kann er das Subjektive – also das, auf was die Ethnologie immer wieder in ihrer Methodik besteht – vielleicht sogar viel deutlicher ausdrücken, oder vermitteln, oder was Kunst auch immer macht, als in rein ethnographischer Textform.

Mitglieder der Twelve Tribes (aufgenommen während des Forschungsaufenthalts)
Mitglieder der Twelve Tribes (aufgenommen während des Forschungsaufenthalts)

Deshalb ist dieser Film entstanden.

   Ein Film, der versucht, den Versuch einer Forschung genauso darzustellen, wie er sich für den Forschenden angefühlt hat - und deshalb irgendwie zu einem durchwachsenem Mix aus Pseudohorrorfilm, Pseudodokumentarfilm, Videotagebuch, Tanzshow und Satire verkommt.

   Ein Film, der in all seinen kleinen Zielen für ich genommen ganz schön scheitert, in seiner Gesamtheit dadurch aber vielleicht genau zu dem subjektiven Streiflicht wird, das er sein möchte.

   Ein Film, der versucht, die Grenzen der Visuellen Anthropologie auszutesten (falls es die gibt), vielleicht maßlos zu überschreiten, und irgendwo da draußen eine leichte Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst zu finden.

   Ein Film, der aber vor allem ein paar, eigentlich ziemlich viele, Fragen lostreten möchte, der das Publikum sich das fragen lassen möchte, was sich der Forschende selbst fragt – Fragen nach Kategorisierungen des Bösen, nach der Wertigkeit von Normen, wie den Menschenrechten, nach der eigenen pflichtgemäßen Verhaltensethik, nach dem Umgang mit Vorverurteilungen, nach Berechtigungen und Nichtberechtigungen von Formen der Alternativität und Gegenkultur, nach der Notwendigkeit und Gefahr des Verstehens, nach der Rolle der eigenen, vielleicht manipulierten Wahrnehmung.

   Ein Film, der schließlich auch die sprechen lassen möchte, über die normalerweise (vielleicht berechtigt?) nur gesprochen wird; der das Publikum zwingt, denen zuzuhören, die es bzw. deren Werte es vielleicht verabscheut.

 

Und deshalb gibt es auch diese Website.

   Im Sinne anthropologischer Transparenz versucht sie, die wichtigsten Daten der Forschung so zu veröffentlichen, dass sie nicht die ganze Zeit im wissenschaftlichen Turm bleiben, sondern in den öffentlichen Raum gelangen, wo sie von allen, auch von den Erforschten selbst, rezipiert und kritisiert werden können, um dadurch auch die Ziele des Films weiterzuführen.

   Und vor allem versucht sie, durch den Film ein gewisses Verständnis für das etwas umstrittene Forschungsfeld, aber gleichzeitig auch für die Perspektive des Forschenden zu schaffen.

Mitglieder der Twelve Tribes (aufgenommen während des Forschungsaufenthalts)
Mitglieder der Twelve Tribes (aufgenommen während des Forschungsaufenthalts)

Ausgehend davon ist der Film, sowie der Trailer, also eigentlich die gesamte Website, mit Vorsicht zu genießen – er hat weder den Anspruch, belastbare „objektive“ Daten über die Religionsgemeinschaft „Twelve Tribes“ zu verbreiten, noch vollständig aus „authentischem“ Material gemacht worden zu sein.

 

Für eine intensivere und umfassendere Beschäftigung mit den „Twelve Tribes“, die der Film natürlich nicht leisten kann, wird auf dieser Website eine kleine Linksammlung bereitgestellt, die auf verschiedene Texte und Blogs verweist, die die Religionsgemeinschaft von recht unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

 

Letztendlich kann es bei dieser Website nur bei einem Versuch bleiben, einem Versuch, die etwas allzu hoch gesteckten Ziele, die oben beschrieben wurden, ein Stück anzutasten. Doch ein Versuch ist auch völlig ausreichend – mehr ist gerade nicht möglich.

Mitglied der Twelve Tribes (aufgenommen während des Forschungsaufenthalts)
Mitglied der Twelve Tribes (aufgenommen während des Forschungsaufenthalts)

Hintergrund

Im Sommer 2015 verbrachte Manuel, ein Student im Studiengang B.A. Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, insgesamt acht Wochen innerhalb einer Community der Religionsgemeinschaft „Twelve Tribes“. Dort führte er zum Zweck des Erlernens wissenschaftlicher Methoden der Ethnologie unter anderem eine teilnehmende Beobachtung, sowie mehrere Interviews mit verschiedenen Informanten durch. Ein Forschungsaufenthalt in einem beliebigen Feld ist im Bachelorstudiengang des Frankfurter Instituts für Ethnologie obligatorisch. Neben dem Film ist als Ergebnis der Forschung ebenfalls ein Forschungsbericht entstanden.